Archiv für die Kategorie „Offener Kanal“

::: Damals wie heute – unpolitisch macht hirntot! :::

Momentan ist es in allen mehr oder weniger relevanten Medien zu lesen: Die Aachen Ultras (ACU) besuchen ab sofort keine Spiele des Aachener TSV Alemannia mehr. Ein Schritt, der für sie unumgänglich ist! Wie kann es sein, dass sich eine emanzipierte Gruppe aus ihrem Aktionsfeld zurückziehen muss?

Fakt ist, dass mit ihr wieder eine Gruppe aus dem Stadion verschwindet, die sich entschlossen gegen Rassismus, Homophobie und Sexismus einsetzte. Beispiele wie Braunschweig, Dresden und jetzt in Aachen bilden dabei leider nur die Höhepunkte der gesamten Misere in Fußballstadien. Doch die meisten Augen schließen sich davor…

 

Politisch getrennt, vereint in der Sache?

Vor wenigen Monaten beteiligten sich, bis auf wenige Ausnahmen, alle Ultràgruppen an einer gemeinsamen Aktion, in der es gegen das Sicherheitspapier von DFB/DFL ging. Der Form der Kritik ist dabei auch grundsätzlich nichts zu entgegnen. Allerdings wird dabei gern ein Zusammengehörigskeitsgefühl symbolisiert, welches in progressiven Fanszenen so nicht gewollt ist. So beteiligten sich etliche sogenannte “unpolitische”, rechtsoffene bis offen rechte Gruppen gemeinsam an dieser Aktion.
Die wenigen Ausnahmen bildeten wieder einmal Gruppen und Bündnisse, die ebenfalls ihre Kritik am geplanten Konzept, darüber hinaus aber auch Kritik an der unkritischen Zusammensetzung dieses Zusammenschlusses hatten.
Warum wird sich nicht mit Thematiken wie Rassismus und Homophobie auseinandergesetzt? Sind das etwa keine Probleme, die in den Kurven bestehen? Warum wird diesen Menschenfeinden eine Plattform gegeben und ihnen immer wieder Solidarität und ein Dazugehörigkeitsgefühl geschenkt?
Wir alle stehen in den Kurven und können dort eine Menge beeinflussen und bewegen. Dieser Verantwortung sollten wir uns bewusst werden und auch dementsprechend handeln. Sämtliche Diskriminierungsformen wie rassistische und chauvinistische Äußerungen, Antisemitismus, Antiziganismus, Sexismus und Homophobie gehören leider immer noch zur Mitte der Gesellschaft und damit zu vermehrt auftretenden Phänomenen in unseren Kurven. Es ist an der Zeit, dass die Kurven anfangen zu handeln. Viel zu viele Gruppen gehen in den großen Kurven unter bzw. werden dort ganz klar unterdrückt und im schlimmsten Fall vertrieben. Wir alle müssen uns dafür einsetzen, dass diese Diskriminierungsformen im Stadion nichts zu suchen haben!

Wer meint, sein/ihr Gehirn am Stadioneingang ausschalten zu können, belügt sich selbst!

 

Aachen Ultras ziehen sich zurück!

Nachdem die Aachen Ultras in den letzten Monaten immer wieder Opfer von Übergriffen wurden und ihre Situation immer aussichtsloser wurde, trat die Gruppe ihren voerst letzten Stadiongang an.
Die Alemannia aus Aachen spielte am 12.1.2013 im Landespokal bei Viktoria Köln. Mit ihr, ein letztes Mal, die Aachen Ultras. Diese wurden an diesem Tag von vielen Ultras aus ganz Deutschland unterstützt. ACU und Unterstützer_innen bekamen, wie zuletzt immer, einen eigenen Block. Im Nachbarblock platzierten sich die “unpolitische” Karlsbande Ultras (KBU) und das restliche Publikum der Alemannia. Unter ihnen etliche bekannte Nazis aus Parteikadern und Kameradschaften. Ein zivilgesellschaftlicher Aufschrei: Fehlanzeige.
Im Laufe des Spiels zeigte ACU etliche Spruchbänder, die die Missstände ein letztes Mal aufzeigen sollten. Wie so oft war sich das Publikum im anderen Block schnell einig, wer der das wahre Problem darstellt: Wiederholt wurde ACU als Provokateur_in benannt und als “Linksextremist_innen” denunziert. Statt den Nazis in den eigenen Reihen entgegen zu treten, wird ihnen weiterhin großer Spielraum gelassen. Bei Alemannia Aachen nichts Neues. Zu schwer wägen die Erinnerungen an Lippenbekenntnisse und Pseudoverboten. Die Aachen Ultras wurden erneut im Stich gelassen. Weder Verein noch die restliche Fanszene haben sich dem Problem angenommen und gestellt. Stattdessen wurde die Gruppe immer wieder verbal oder mit körperlicher Gewalt attackiert.
Fazit: Eine alternative und aufgeschlossene Gruppe zieht sich aus dem Stadion zurück und legt ihre Aktivitäten rund um die Alemannia vorerst nieder.

Auch wir fordern Alemannia Aachen auf, sich endlich klar gegen rechtsoffene und faschistische Gruppen zu positionieren und gegen diese zu handeln!

 

Wie geht es weiter?

Für die Zukunft hoffen wir, dass insbesondere diese “unpolitische” Schiene irgendwann ihr Ende findet und vermehrt Gruppen den Mut fassen, sich noch intensiver gegen Nazis und sämtliche Formen der Diskriminierungen zu positionieren.
Klärt die Leute im Stadion über die Probleme auf und gebt Faschismus, Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Homophobie oder Sexismus keine Plattform.
Vernetzt euch, macht Infoveranstaltungen und haltet Stand!

Das traurige Beispiel der Aachen Ultras zeigt, wie weit es gehen kann. Und so unumgänglich dieser Schritt war, so hoffen wir, dass dieser wenigstens für Denkanstöße in den Kurven sorgt.

Solidarität mit ACU & und all denen, die gegen den braunen Sumpf sowie den Trend der Allgemeinheit kämpfen!

 

Die letzte Schlacht gewinnen wir!

Filmstadt Inferno 1999 – Ultras Babelsberg

::: In dieser Stadt, da läuft was schief… :::

…Flutlicht statt Sportplatz und Archiv?

Ein paar Gedanken zur Reparatur des Flutlichts

Seit über einem halben Jahr ist das Flutlicht im Karl- Liebknecht- Stadion nun defekt. Ein halbes Jahr in dem sich unser Verein Gedanken hätte machen können, wie eine Reparatur zu finanzieren ist. Zum Beispiel hätte versucht werden können, die Reparatur aus dem 8 Millionen € schweren Konjunkturpaket zu finanzieren. Das wurde scheinbar nicht einmal in Erwägung gezogen. Dafür halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass der Einbau einer Rasenheizung noch nicht vom Tisch ist. Da mutet es schon als bodenlose Frechheit an, dass der Geschäftsführer in der Öffentlichkeit immer auf die finanziellen Engpässe des Vereins hinweist.

Wenn wir so knapp bei Kasse sind, wer soll eigentlich den Betrieb der Rasenheizung bezahlen? Im letzten Winter verzichteten selbst so finanzkräftige Vereine wie Braunschweig und Aue auf das Einschalten selbiger. Der 1.FC Union bezahlte letzten Winter ca. 50.000 Euro für den Betrieb ihrer Anlage. Das alles bei wesentlich höheren Zuschauerzahlen als bei unserem kleinen Kiezverein und ganz anderen wirtschaftlichen Voraussetzungen. Noch dazu ist eine Rasenheizung keine Lizenzauflage für die 3.Liga, im Gegensatz zum Flutlicht.

Jetzt hat es unser Vorstand geschafft und die für die Reparatur benötigten 250.000 € von der Stadt erbettelt. Dieses Geld wird natürlich jetzt bei anderen Projekten gekürzt. So wurden letzte Woche im Finanzausschuss die eigentlich schon beschlossenen Finanzierungen für den Archiv e.V., den Bau eines Rasenplatzes für den Fußballbreitensport am Babelsberger Park und für die Zimtzicken Potsdam gestoppt.

Es ist unverständlich, wieso die Stadt einen Profiverein bevorzugt und das Geld bei gemeinnützigen sozialen Projekten streicht.

Daher fordern wir von unserem Verein den Verzicht auf eine im Betrieb ohnehin nicht ohne weitere städtische Zuschüsse finanzierbare Rasenheizung und von der Stadt die Wiederaufnahme der Förderung der o.g. Projekte.

Wenn Sie diese Forderung unterstützen, beteiligen Sie sich an der Unterschriftensammlung am Samstag im Karl- Liebknecht- Stadion. Gesammelt werden die Unterschriften am Fanartikel- Container, auf der Gegengeraden und am Fanladen. Diese werden in der kommenden Stadtverordnetenversammlung am 06.04.2011 an den Oberbürgermeister übergeben.

eine Initiative engagierter Nulldreifans

::: Die Entwicklung des Filmstadt Inferno ’99 – der Ultrasszene in Babelsberg :::

Kurzabriss:
Hauptakteure der Entstehung dieser Szene waren einige Jugendliche, die zusammen in einem Wohngebiet lebten, Fußball spielten und natürlich auch Fußball guckten. Seit dem letzten Verbandsligajahr (95/96) ging man zum SV Babelsberg 03, stieg in die Oberliga auf und interessierte sich mit dem darauf folgendem Aufstieg in die Regionalliga Nordost immer mehr für den Verein. Ins Karli (Karl-Liebknecht-Stadion) zog es nun größere und bekanntere Fangruppen. So bauten wir ein „Fanbewusstsein“ auf, in dem wir uns für verschiedenste Fanszenen, Fanzines und dem ganzen drum herum interessierten.
Da wir keine lose Fanmenge mehr sein und aktiv mitwirken wollten, wurden im zweiten Jahr der Regionalliga kurzerhand einige „ältere“ Nulldrei-Fans gefragt, was sie von einem Fanclub hielten und schon entstand im Jahre 1998 der FC Munke. Der nach einem Arbeiterviertel benannte und aus jungen und älteren Fans bestehende Fanclub war seiner Zeit der erste in Babelsberg. Aus fantechnischer Sicht begann nun die nächste Lehrzeit, denn gerade das verstärkt betriebene Groundhopping ließ die Faszination für bunte und laute Fankurven wachsen. Auch in unseren Gefilden verbreitete sich dieser Lifestyle, sodass wir zunehmend erlebnisorientierter wurden. Erste Choreoversuche erfolgten, akustisch entwickelten wir uns immer weiter fort und des öfteren zogen Rauchschwaden vom Karli in den Babelsberger Park. Ja, das war unsere Welt! Die Babelsberger Fanszene begann aufzublühen.
Die anbrechende Regionalligasaison 99/00 stand ganz im Zeichen der Ultramanie. Da der FC Munke für unseren extremen Supportgedanken nicht mehr viel zu bieten hatte, gründeten sieben Personen im Alter von 17-30 Jahren am 28.September das Filmstadt Inferno´99 (kurz FI99). Wir waren und sind es nach wie vor: klar ultraorientiert, gewaltfrei und antirassistisch. Darauf wollten und wollen wir in Zukunft auch besonderen Wert legen. Die Mitglieder trugen größtenteils alternatives Gedankengut in sich und wir waren nicht die typische Modeerscheinung in Bomberjacken und Anglerhüten mit Prollverhalten. Peu à peu entstanden Transparente, Doppelhalter, Schwenkfahnen und nach der einem weiteren Zuwachs auch eine Blockfahne und die Internetseite. Die Mannschaft spielt hervorragenden Fußball und qualifizierte sich für die neue Dritte Liga. Inzwischen hatte das Filmstadt Inferno´99 über 15 Mitglieder.
Mit dem Jahr in der Regionalliga Nord 00/01 begann die wohl beste Fußballsaison. Toller Fußball und ein in Babelsberg noch nie da gewesener Support der Fans. Gegen Traditionsmannschaften mit teilweise großen Fanszenen konnten wir uns nun beweisen. Dabei besannen wir uns auf kreativen Support, ohne hirnlose Sprüche und Gesänge, der Ruf eine gewaltfreie und alternative Fanszene zu haben wurde gefestigt. In nahezu fast jedem Spiel wurde Pyro gezündet. Dadurch entstanden die ersten Probleme mit Verein, Ordnungskräften und DFB. Wir waren endgültig im „bezahlten Fußball“ angekommen.
Mit dem überraschendem Aufstieg in die Zweite Liga konnten sich viele Fans und Ultras nicht so recht anfreunden. Immerhin sollte damit auch der Kommerz, die Erfolgsfans (oder ungebetene Gäste wie Rassisten) und zunehmende Überwachung bzw. Sicherheit Einzug halten. Und so kam es, wie es kommen musste. Sinnlose Fanartikel, teure Eintrittspreise, keine Fanutensilien, wie Doppelhalter und Schwenkfahnen bei den Auswärtsspielen und Ordnerschikanen auch im eigenen Stadion. Positiv bleibt: Das Stadion bekam endlich Flutlicht, mit dem Fanprojekt entstand ein Fanladen, es wurden viele Choreographien, Pyroshows und Fanaktionen geplant, einige darunter mit den Idefixern. Das FI99 wuchs auf über 30 Mitglieder an.
Nach dem sang- und klanglosen Abstieg spielte die Mannschaft des SVB 03 in der Regionalliga, trotz der vielen altbewährten Spieler, einen absoluten Müll zusammen. Hinzu kamen große wirtschaftliche Probleme ab der Winterpause, Anti-Pyro-Kampagnen und Vereinsentscheidungen, die so manchen Fan mit dem Kopf schütteln ließen. Das Filmstadt Inferno´99 hingegen bekam immer mehr personellen Zuwachs. Zuerst löste sich die ultraorientierte Gruppe Idefix auf, wo die Aktiven im FI unterkamen. Als nächstes folgten die aktiven Leute der Karlifreaks und Nova Generatios. Das FI99 entwickelte sich zu herausragenden Gruppierung bei den jüngeren Fans und wuchs auf über 40 Mitglieder an. Trotz dessen, oder genau deswegen, erfolgte eine Flaute, die mehr mit einer Grundsatzdiskussion zu tun hatte. Pyroshows, Choreographien und akustischer Support bestimmten zwar immer noch die Interessen der Ultras, auswärts und teilweise auch zu Hause im Karli blieb man den Erwartungen mit Hinblick eines Fanladens (damit verbunden einen Raum zum Planen und Ausarbeiten von Aktionen) und gestiegener Mitgliederzahl stark zurück. In der Winterpause 02/03 erfolgte der Umbruch des FI99. Nicht nur das vermehrt auf politische Arbeit wert gelegt wurde, auch wurden junge BabelsbergerInnen, die sich dem FI99 verpflichtet fühlten, stärker in die Arbeit einbezogen. Daraus entwickelte sich, dass es nun einen festen Personenkreis (trotz alledem meist zu wenige) gab, der sich um Choreographien kümmerte. Neue Schwenkfahnen, Gesänge und Aufkleber zierten die Kurven und Straßen der Stadien und Städte. Mitte der Rückrunde entstand die Ultra-Postille „Ultra-Unfug“, die zu jedem Heimspiel für einen geringen Preis in Umlauf gebracht wurde. In der Öffentlichkeit war das Filmstadt Inferno´99 wieder präsent. Ein Anheizer nahm die letzten Spiele auf dem Zaun Platz und die erste Skepsis der Nordkurve verflog mit dem beachtlichen Steigen der Stimmung. Selbst Insolvenz des Vereins und das schlechte Abschneiden des Teams konnten den Höhenflug der Fankurve nicht bremsen.
Der Abstieg in die Oberliga Nord/Nordost erfolgte zum Sommer 2003. Für viele überhaupt kein Problem, wollten wir doch wieder ordentlichen Fußball, keinen übermäßigen Kommerz und geringe Anfahrtswege haben. Einige Fans des SV Babelsberg 03 durften nach der abgewendeten Pleite des Vereins wichtige Aufgaben übernehmen (Marketing und Stadionheft) und saßen im Aufsichtsrat und Vorstand. Der Elan und die Euphorie sollten und wurden mit in die neue Saison übernommen. Die Mitgliederzahl blieb knapp bei über 40. Das Karli erlebte prächtige Stimmung und in der Oberliga war und ist es nicht verwunderlich, wenn hunderte Babelsberger auswärts ihr Team lautstark unterstützen. Trotz stärkerer Polizeipräsenz scheuten sich die Fans und Ultras nicht, klar gegen Faschismus, Rassismus und Sexismus Stellung zu beziehen.
Nach der ersten Oberliga-Hochphase erfolgte jedoch schnell die Ernüchterung. Der verpatzte Aufstieg und die Aussicht auf weitere Jahre Gurken- Oberliga, verbunden mit Stress und Repressionen ließen einerseits den Zugang zu jüngeren Fans zuschnüren und andererseits die Motivation der älteren Ultragenerationen schwinden. Zwar wurde es durchaus als Erfolg bewertet, dass Rechte in der Nordkurve partout ungeduldet sind und sich – besonders bei den Jugendlichen – ein „alternativer Mainstream“ entwickelte, doch offenbarten diese Zeit auch etliche Schattenseiten. Das Engagement beschränkte sich wie bereits gesagt auf wenige Leute, geringfügige Projekte und punktuelle Spieltage, sodass wir von einer intakten „Bewegung“ weit entfernt waren. Viele junge Leute schienen sich vom Ultra-Lifestyle zu entfernen und interessierten sich lieber für andere „erlebnisorientierte“ Ereignisse. Die Folge waren viele Konflikte und Diskussionen, die für die wenigen Engagierten allerdings mehr als ernüchternd waren. Aus diesen Auseinandersetzungen heraus entwickelte sich aber gerade bei den Personen, die wirklich etwas reißen wollten, eine neue Motivation, sodass drei weitere Jahre Oberliga eine kleinere, aber gleichzeitig gefestigtere Gruppe hinterließen. Dennoch gab es bis auf ein paar Highlights (z.B. ein weiteres 3:2 daheim gegen Union) größtenteils nur Tristesse.
Die Saison 07/08 ließ uns auch endlich mal wieder Regionalligaluft schnuppern. Von dem zum Anfang der Oberligazeit recht großen Ultra-Haufen war nicht mehr viel über geblieben. Die Leute waren zwar hin und wieder wahrzunehmen, aber das Engagement lagerte auf wenigen Schultern, sodass viele Leute, obwohl sie nie offiziell ausgetreten waren, nicht mehr zur Gruppe gezählt wurden. Mit der Regionalliga und dem damit verbundenen Aufeinandertreffen mit namhafteren Teams wuchs die Attraktivität auf Jugendliche wieder, sodass sich diese auch vermehrt in der Nordkurve einfanden. Dennoch blieben viele Potenziale im Argen, obwohl sich die Supportleistung auf den Rängen wieder steigerte und kontinuierlicher gut wurde. Das FI umfasste zwar 20 Leute, die Zahl der Engagierten war aber geringer, was seinen Höhepunkt in der Vorbereitung der größten Choreographie in Babelsberg fand, in dessen Folge viel Frust und Missmut auftraten.
Die Mannschaft schaffte die Relegation in die neue 3. Liga nicht, sodass wir uns in der darauffolgenden Saison zwar weiterhin in der Regionalliga wiederfanden, diese aber nun die dreigeteilte 4. Liga bildete. Die Vorsaison wog immer noch schwer nach, das FI schien aufgrund der wenig aktiv Beteiligten auseinanderzubrechen, der Weiterbestand von Ultra in Babelsberg stand in Frage. Das FI allein bzw. die beteiligten Personen sahen sich nicht mehr in der Lage, ein Ultra-Leben aufrecht zu erhalten. Es passierte einfach zu wenig. Das FI stellte die Gruppenaktivität ein und die wenig Übriggebliebenen konzentrierten sich in der Folge darauf die Kräfte mit den ultra-interessierten Leuten aus dem Dunstkreis zu bündeln. Dies schien für eine Weile zu funktionieren, barg aber neue Konfliktsituationen, da sich ebenso Personen an diesen Treffen beteiligen wollten, die bereits Monate zuvor damit anfingen gegen Ultra in Babelsberg zu arbeiten, indem sie nicht nur immer wieder zu Prahlerei und Mackerverhalten auffielen, sondern darüber hinaus Aktionen behinderten und einen neuen Hooligan-Style zu etablieren versuchten. Der Ultra-Kreis brachte schlussendlich auch nicht den gewünschten Erfolg, da sich relativ schnell auch dort herauskristallisierte, wer aktiv und wer passiv ist. Letztlich setzte sich der aktive Teil der Leute zusammen und entschied sich für die Neubelebung des FI’s, welches in der Folge eben nur noch aktive Mitglieder haben sollte. Somit umfasste das FI 15 Personen. Wahrhaftig gab es eine Belebung der Ultraszene und es gab einen neuen frischen Wind mit vielen neuen Ideen. Diese sind auch bis heute nicht verflogen, man nimmt das FI auch vermehrt in der Außenwirkung (z.B. im Stadtbild) war. Wir haben auch nach wie vor mit Auf und Abs zu kämpfen, Repressionen seitens der Polizei und der Ordner haben in den letzten Jahren stark zugenommen und Pyroaktionen werden wesentlich schärfer sanktioniert.
Und dennoch: Ultra ist auch in Babelsberg zur Subkultur geworden – Ultra in Babelsberg lebt und jede/r kann dazu beitragen, dass dies auch weiterhin so ist – wir wollen eine laute, kreative und bunte Fankurve – wir wollen engagierte Jugendliche, die sich nicht durch Prahlerei und Mackerverhalten profilieren, sondern durch Ideen und Taten!

Veröffentlicht im (Ultrash Unfug) Mai 2010

::: Was sind Ultras? :::

Jeder der sich nur annähernd für Fans und Fußball interessiert wird den Begriff “Ultra” schon einmal vernommen haben. Mittlerweile grenzt es schon fast an eine Modeerscheinung. Groß ist das Interesse besonders bei Jugendlichen, was sich in den hohen Mitglieder- und Teilnehmerzahlen wiederspiegelt. Da die meisten jüngeren sehr erlebnisorientiert sind, suchen sie Kontakt zu dieser Bewegung. In „normalen“ Fanclubs wird nicht das Spektrum der Kreativität erreicht, der Drang nach dem „Außergewöhnlichem“ und provozierenden und der Zusammenhalt, wie in den Ultragruppen. Kleidung, Gemeinschaft, Solidarität, sowie die bestimmten Verhaltensrituale verleihen dem Ultra und Fußballfan die Sicherheit und Anerkennung in der subkulturellen Gruppe. Mit dem Wir-Gefühl als Gruppe wird versucht, das eigene Team anzufeuern und das gegnerische Team zu stören oder zu beeinträchtigen. In einer immer mehr individualisierten Welt, die durch Anonymität, Bewegungsfeindlichkeit und fehlenden Freizeitmöglichkeiten für junge Menschen gekennzeichnet ist, findet sich, zusammen mit dem Bedürfnis nach Abenteuer und Spannung, ein optimaler Handlungsspielraum. Es gibt kaum ein Stadion, in dem sich keine Fans zu diesen Gruppierungen zusammen geschlossen haben. Leider gab es in letzter Zeit einige Negativerfahrungen mit gewaltbereiten Fans, die sich als “Ultras“ bezeichnen. Diese Leute beschmutzen das Image, so dass wir für die „nichtwissende“ Öffentlichkeit zum Beispiel einen schlechten Ruf haben. Der Name “Ultra“ heißt soviel wie „extrem“ und eben nicht gewaltbereit. Ultras sind also extreme Fans, die sich nicht an bestimmte Standards, Regeln oder der Kommerzialisierung halten wollen. Sie bleiben nicht die ganze Spielzeit sitzen und klatschen artig bei einem Tor und wir singen auch keine Tralala-Musik, wie es sich manch einer wünschen würde. Wir wollen den Fußball leben und so wird er auch nach unserer eigenen Art gefeiert und gelebt. Unter diesen Voraussetzungen gründete sich in Babelsberg im Jahre 1999 eine ultraorientierte Gruppe unter dem Namen „Filmstadt Inferno´99“. Mit zuerst 9 Mitgliedern entwickelte sich in den kommenden Jahren eine Bewegung mit über 40 Mitgliedern, die sich gegen Kommerzialisierung und Rassismus ausspricht. Durch viele Choreographien und Pyroshows konnte sich das FI99 einen gewissen Status in Babelsberg und auch anderswo erarbeiten. Aufgrund des kleineren und „familiären“ Charakters in Babelsberg entstand so ein großer Einfluss der Ultras, besonders auf jüngere Fans in der Nordkurve. Ihren Ursprung haben Ultras in den südländischen Gebieten. So gab es die ersten Anfänge bereits 1968 in Italien. Es entstanden Zusammenschlüsse wie „Fossa die Leoni“ beim AC Mailand (1968), „Ultras Tito“ bei Sampdoria (1969), „Brigate Gialloblu“ bei Hellas, „Commando Ultra“ in Neapel um 1972, etc., sie nannten sich nicht mehr „tifosi“ (Fans), sondern Ultras. Meist wurde ein provokanter Name gewählt, z.B. Rot-Schwarze Brigaden (1973) beim AC Mailand. Ein großes Transparent wurde hergestellt, mit dem sich die Gruppe identifizierte. Von dort aus eroberte dieses Phänomen weite Teile der Welt. Das Hauptziel der Ultras ist die absolute Unterstützung des Teams auf akustischer und optischer Basis. Dazu zählt nicht nur rhythmisches Klatschen, lautes singen und Pyroshows, sondern auch Choreographien, die aus Stoffbahnen, Papptafeln, Kassenrollen, etc. bestehen können. Es ist wichtig den Fanblock optisch bunt zu gestalten und mit Dauergesängen zu untermalen. Manchmal gerät das Spiel auch zur Nebensache, wenn sich zwei Fanlager einen Wettbewerb im kreativen Support darbieten. Je lauter, bunter und verrückter, umso besser ist das Fanlager dem anderen gegenüber. Aufgrund dieser Art des Feierns und der Ultraphilosophie ist es vielen egal, in welcher Liga der Verein spielt. Was zählt ist der Support! Ultras sind in fanclubähnlichen Strukturen organisiert und opfern ihre Freizeit für den Verein. Ziel ist es, das Fanrepertoire immer weiter auszubauen. Außerdem sind sie sogenannte „Allesfahrer“, für die kein Weg zu weit und zu teuer ist. Das unterschätzen die meisten Vereinsoberen, die Ultras belächeln oder für Spinner halten. Das aber viel Zeit und privates Geld investiert wird, bleibt oft vergessen. In letzter Zeit entwickelt sich zum Glück auch viel Akzeptanz und Anerkennung. Trotz der vielen Schikanen, Regeln und Gesetze die Vereine, Ordnungshüter und der DFB erstellen, sind Ultras aus der deutschen Fußballszene nicht mehr wegzudenken.

::: Ultras gegen Kommerzialisierung und Überwachung! :::

Ultras gegen Kommerzialisierung und Überwachung!

Nach dem Support stellte sich als weitere tragende Säule der Kampf gegen den Kommerz und der Bespitzelung bei Fußballspielen heraus. Gerade in den letzten Jahren kommen unsinnige Fanartikel, die Vermarktung der Spiele zu Shows und lästige Fernsehübertragungen in den Fußballstadien und der persönlichen Umwelt eines Fans vermehrt vor. Vereine und clevere Marketingchefs versuchen auch noch den letzten Cent der Fans abzuknöpfen. So entstehen solch sinnvolle Artikel wie Socken, Nudeln, Zahnbürsten, etc. und horrende Eintrittspreise. Gerade in Babelsberg ist der Verein dafür bekannt, regelmäßige Schikanen der Eintrittspreise vorzunehmen, die zum Teil durch aktive Fans revidiert werden konnten. Wenn ein Verein einige bestimmte Merchandise-Artikel herausbringt, die für Fans akzeptabel sind (Schals, Trikots) ist nicht viel gegen einzuwenden, aber eben gegen dessen völlige Überschüttung. In Babelsberg wurden Fanartikel entworfen, die jedes Jahr aus anderen Farben bestanden. Die Artikel, die bei Fans wenigstens noch eine Nachfrage haben, existieren gar nicht. Letztendlich war das alles peinlich, na ja, es wird ja „nur“ der Verein nach außen repräsentiert. Es werden Maskottchen erfunden, die nicht das geringste mit der Vereinchronik zu tun haben. Aber so können die Leute wieder etwas neues kaufen was noch nicht in ihrem Fanartikelsortiment liegt. Wir sind Fans/Ultras und identifizieren uns mit dem Verein, der Stadt oder der Region und nicht mit der Produktpalette. Mittlerweile haben die aktiven Fans von Babelsberg selbst die Herstellung und den Verkauf der Fanartikel in der Hand. Deswegen versuchen Ultras ihre Sachen selber herzustellen. So können aussehen und Preise immerhin selber bestimmt werden. Entweder ist dann überhaupt kein Gewinn vorhanden, oder der Ertrag dient dem Zweck der Ultrabewegung. Ein großes Problem (in Babelsberg nicht vorhanden) stellt auch die zunehmende Versitzplatzung dar. Die UEFA schreibt Millionen von Fans vor im Spiel zu sitzen. Das Sitzplätze die Stimmung hemmen und zum Teil gefährlicher sind als Stehplätze dürfte vielen bekannt sein. Wenn die Leute auf ihre vorgeschriebenen Plätze sitzen, haben die hohen Herren alles im Griff. Das Fehlen von Stimmung wird durch animierende Stadionsprecher und Musikeinspielungen kompensiert. Zunehmende Videoüberwachungen im und um den Stadionbereich, sowie Verbote von sichtstörenden Sachen (Doppelhalter, Choreographien,…) gehören leider zur Normalität. Die Stadionbesucher sollen kontrolliert und von oben gesteuert werden. TV-Sender steuern die Spieltage und Anstoßzeiten und diejenigen, die bei den Spielen anwesend sind, werden nicht gefragt. Lieber zeigt man massig Werbebanden und zahme Fans, um den Zuschauern die „Ware Fußball“ zu suggerieren. Menschen die Fußball leben wollen, die ihren Freiraum und die Kurve nicht hergeben möchten, sollen immer mehr verdrängt werden. Der Fußballfan gibt bei dem Besuch eines Fußballspiels jegliche Freiheitsrechte ab, der DFB, die Vereine und die Sicherheitskräfte geben nun den Ton an. Tausende werden mit der Datei „Gewalttäter Sport“ schikaniert, hier landet der Fan durch teilweise an den Haaren herbeigezogenen Ursachen. Das Zünden von Pyrotechnik wird behandelt, wie schwerste Gewaltdelikte, obwohl gerade in Babelsberg durch Pyro nie Menschen zu Schaden gekommen sind und Pyro „kontrolliert abgebrannt“ wird. Über rassistische Ausschreitungen, wie in anderen Stadien vorgekommen, sieht man lieber hinweg. Vereine, wie der SV Babelsberg 03, versuchten so die aktiven Fans und Ultras durch Kampagnen zu kriminalisieren und gegenüber den anderen Stadionbesucher aufzuhetzen. Deswegen versuchen Ultras ihre Aktionen in Eigenverantwortung zu planen. Auf die Unterstützung des Vereins kann und will man meistens verzichten. Aus diesen Gründen gibt es in der Szene einen großen Zulauf. Viele wollen sich nicht in die schöne, heile Fußballwelt einordnen. Sie sind noch eine der wenigen Elemente beim Fußball, die Fankultur am Leben erhält und gegen die Verödung ankämpft. Das scheinen viele jedoch zu vergessen.

Nächste Spiele

31.05.2013 | 19.03 Uhr
FC United of Manchester (H)
Freundschaftsspiel

::: Sommerpause :::

Veranstaltungen

25.5.2013
Ball ist bunt
Antirassistisches Stadionfest

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